Hartmann, Jean
Jean Hartmann
„Als zur Vorstandssitzung des Deutschen Volkshochschul-Verbandes am 8.3.1991 die Nachricht gelangte, dass 2 Tage vorher Jean Hartmann gestorben sei, gab es nur 2 Anwesende, die sich seiner noch durch direkte Kontakte erinnern konnten. Daran macht sich der schnelle Generationswechsel ebenso bemerkbar wie die länger werdende Lebenszeit von Pensionären. Immerhin war Jean Hartmann in den ersten zehn Jahren des DVV von 1953-1963 Mitglied seines Vorstandes und bis 1965 beim Berliner Senat zuständig für die Erwachsenenbildung. Von dieser wurde zu seiner Zeit noch wenig Aufgebens in der Öffentlichkeit gemacht. Umso wichtiger war ein Wirken in der Stille. Soweit es von Jean Hartmann ausging, ist es nicht zuletzt der Anfangsentwicklung der Pädagogischen Arbeitsstelle zugute gekommen. Seine Genauigkeit kam nicht nur der Verwaltungsarbeit zu statten. Seine Liebe zum Detail kennzeichnete vielmehr auch seine Beiträge zur Diskussion des Aufgabenverständnisses von Erwachsenenbildung. Sie fand ihren Niederschlag in eigenen Aufsätzen und kritischen Kommentaren ebenso wie sie in der Sorgfalt zum Ausdruck kam, mit der Jean Hartmann die ‚Berliner Arbeitsblätter für Volkshochschule’ als Herausgeber geplant und redigiert hat. In den Jahren 1955-1963 galt diese Zeitschrift als Ort der Reflexion, mit der einer Wissenschaft von der Erwachsenenbildung vorgearbeitet werden konnte.
Vor allem aber hatte Jean Hartmann damit in den 50er Jahren den Blick für die Debatten im internationalen Raum geöffnet. Das wird an einer Sammlung seiner Aufsätze besonders deutlich, die 1964 im Carl Heymanns-Verlag erschienen ist.
Der Titel ‚Der vergessene Schlussstein’ signalisiert den Stellenwert, den Jean Hartmann der Erwachsenenbildung im Prozess der Menschenbildung beigemessen hat. Dabei finden sich schon in früher Zeit bei ihm Gedanken, die noch heute als allgemein akzeptierte Basis des Selbstverständnissen der Volkshochschulen gelten. So ist da von Erfahrungsbezug die Rede und vom Wert der Kleingruppenarbeit, von der Bedeutung des Zusammenhangs zwischen Sprache und Denken sowie der Arbeit mit dem Buch und von der Notwendigkeit eines Erwachsenenbildungsdiploms im Interesse der Professionalität, die sich in der Fähigkeit zur didaktischen Reduktion bewähren sollte. Jedoch haben wir allen Anlass uns der Mahnung von Jean Hartmann zu erinnern, dass ‚zahlreiche Diskussionen der Gegenwart nur unzulänglich verstanden werden können, wenn man nicht ihren geschichtlichen Ursprung kennt’."
H. Tietgens, in: Hessische Blätter für Volksbildung 2/1991, S. 184-185
„Als zur Vorstandssitzung des Deutschen Volkshochschul-Verbandes am 8.3.1991 die Nachricht gelangte, dass 2 Tage vorher Jean Hartmann gestorben sei, gab es nur 2 Anwesende, die sich seiner noch durch direkte Kontakte erinnern konnten. Daran macht sich der schnelle Generationswechsel ebenso bemerkbar wie die länger werdende Lebenszeit von Pensionären. Immerhin war Jean Hartmann in den ersten zehn Jahren des DVV von 1953-1963 Mitglied seines Vorstandes und bis 1965 beim Berliner Senat zuständig für die Erwachsenenbildung. Von dieser wurde zu seiner Zeit noch wenig Aufgebens in der Öffentlichkeit gemacht. Umso wichtiger war ein Wirken in der Stille. Soweit es von Jean Hartmann ausging, ist es nicht zuletzt der Anfangsentwicklung der Pädagogischen Arbeitsstelle zugute gekommen. Seine Genauigkeit kam nicht nur der Verwaltungsarbeit zu statten. Seine Liebe zum Detail kennzeichnete vielmehr auch seine Beiträge zur Diskussion des Aufgabenverständnisses von Erwachsenenbildung. Sie fand ihren Niederschlag in eigenen Aufsätzen und kritischen Kommentaren ebenso wie sie in der Sorgfalt zum Ausdruck kam, mit der Jean Hartmann die ‚Berliner Arbeitsblätter für Volkshochschule’ als Herausgeber geplant und redigiert hat. In den Jahren 1955-1963 galt diese Zeitschrift als Ort der Reflexion, mit der einer Wissenschaft von der Erwachsenenbildung vorgearbeitet werden konnte.
Vor allem aber hatte Jean Hartmann damit in den 50er Jahren den Blick für die Debatten im internationalen Raum geöffnet. Das wird an einer Sammlung seiner Aufsätze besonders deutlich, die 1964 im Carl Heymanns-Verlag erschienen ist.
Der Titel ‚Der vergessene Schlussstein’ signalisiert den Stellenwert, den Jean Hartmann der Erwachsenenbildung im Prozess der Menschenbildung beigemessen hat. Dabei finden sich schon in früher Zeit bei ihm Gedanken, die noch heute als allgemein akzeptierte Basis des Selbstverständnissen der Volkshochschulen gelten. So ist da von Erfahrungsbezug die Rede und vom Wert der Kleingruppenarbeit, von der Bedeutung des Zusammenhangs zwischen Sprache und Denken sowie der Arbeit mit dem Buch und von der Notwendigkeit eines Erwachsenenbildungsdiploms im Interesse der Professionalität, die sich in der Fähigkeit zur didaktischen Reduktion bewähren sollte. Jedoch haben wir allen Anlass uns der Mahnung von Jean Hartmann zu erinnern, dass ‚zahlreiche Diskussionen der Gegenwart nur unzulänglich verstanden werden können, wenn man nicht ihren geschichtlichen Ursprung kennt’."
H. Tietgens, in: Hessische Blätter für Volksbildung 2/1991, S. 184-185
riesemann - 21. Mai, 12:49
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