Sonntag, 1. Januar 2006

Susan Sontag 1933 - 2004

Susan Sontag war eine US-amerikanische Schriftstellerin, Essayistin und Publizistin. Sie ist bekannt für ihren Einsatz für Menschenrechte sowie als Kritikerin der gesellschaftlichen Verhältnisse und der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika.

Susan Sontag wurde als Susan Rosenblatt in eine jüdische Familie hineingeboren und ist die Tochter eines Exportkaufmanns und einer Lehrerin. Das Mädchen wurde von den Großeltern aufgezogen, als die Eltern in der Republik China waren.

Als Susan sechs Jahre alt war, starb ihr Vater an Tuberkulose. Die Mutter heiratete erneut; der Name des Stiefvaters war Sontag.

1949 ging Susan Sontag an die Universität in Chicago und studierte Französisch, Literatur und Philosophie. 1950 - mit 17 Jahren - heiratete sie den Soziologen Philip Rieff, mit dem sie eine Studie über den Einfluss von Sigmund Freud auf die moderne Kultur veröffentlichte. Seit den 1970er-Jahren lebte sie in einer Beziehung mit der Fotografin Annie Leibovitz.

Susan Sontag wohnte im Stadtteil Chelsea in New York. Sie trat als scharfe Kritikerin der Bush-Regierung insbesondere des Irak-Krieges in Erscheinung. Sie galt neben Mary McCarthy und Joan Didion als femme de lettres. Große Anerkenneung fanden ihre Essays zur Ästhetik und Hermeneutik in Fotografie, Film, Literatur und Kunst. Sie starb im Alter von 71 Jahren in New York an Leukämie.

Susan Sontag wurde auf dem Cimetière Montparnasse, Paris, Frankreich beigesetzt.

Auszeichnungen
Im Jahr 2000 wurde sie in den USA mit dem National Book Award, dem höchsten Buchpreis der USA ausgezeichnet.
Im Mai 2001 bekam sie den Jerusalem-Preis 2001 auf der israelischen Buchmesse in Jerusalem. Bei der Entgegennahme sorgte sie mit heftiger Kritik am Staat Israel und seiner Politik in den Palästinensergebieten für Aufsehen.
Sontag wurde als Vermittlerin zwischen den USA und Europa am 12. Oktober 2003 in der Frankfurter Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Bei der Feier waren zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Wirtschaft zugegen. Die Laudatio hielt Ivan Nagel, der die Preisträgerin als "gelernte Europäerin" bezeichnete. Das demonstrative Fernbleiben des US-Botschafters Daniel Coats während der Zeremonie kritisierte sie in ihrer Dankesrede, in der sie die wachsende Kluft zwischen Europa und den USA zu überwinden suchte.

Zitate
Und wenn man das Wort „feige“ in den Mund nimmt, dann sollte es besser auf jene angewandt werden, die Vergeltungsschläge aus dem Himmel ausführen, und nicht auf jene, die bereit sind, selbst zu sterben, um andere zu töten. Wenn wir von Mut sprechen, der einzigen moralisch neutralen Tugend, dann kann man den Attentätern – was immer sonst auch über sie zu sagen wäre – eines nicht vorwerfen: daß sie Feiglinge seien. (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 15.09.2001; englisch in The New Yorker vom 24.09.2001)

Werke
The Benefactor (1963, dt. Der Wohltäter, ISBN 3-596-11414-4)
Against Interpretation (1966, dt. Kunst und Antikunst, ISBN 3-446-20428-8)
Death Kit (1967, dt. Todesstation, ISBN 3-446-13128-0)
Trip to Hanoi (1969, dt. Reise nach Hanoi)
Styles of Radical Will (1969)
Illness as Metaphor (1977, dt. Krankheit als Metapher, ISBN 3-446-20425-3)
On Photography (1977, dt. Über Fotografie, ISBN 3-596-23022-5)
I, etcetera (1978, dt. Ich, etc., ISBN 3-446-20426-1)
Under the Sign of Saturn (1980, dt. Im Zeichen des Saturn, Essays über E. M. Cioran, Antonin Artaud, H. J. Syberberg, Roland Barthes, Leni Riefenstahl, Walter Benjamin, Elias Canetti, ISBN 3-446-13126-4)
The Vulcano Lover (1989, dt. Der Liebhaber des Vulkans, ISBN 3-596-10668-0)
In America (2000, dt. In Amerika, ISBN 0-312-27320-7)
Regarding the Pain of Others (2003, deutsch Das Leiden anderer betrachten, ISBN 3-446-20396-6). Essay über die Kriegsfotografie, in dem Sontag teilweise die Aussagen ihres früheren Essays On Photography revidiert
Geist als Leidenschaft. In: Hüter der Verwandlung. Beiträge zum Werk von Elias Canetti 111-121

Weblinks
www.susansontag.com -> Ihre Homepage
www.litlinks.it/sx/sontag_s.htm übersetzte Texte und Sekundärliteratur im Internet
Schlimm, das! Zum Tod der US-amerikanischen Superliberalen Susan Sontag (junge Welt, 30. Dezember 2004)
www.telepolis.de/tp/ Die politische Rebellion der Erlebnisse - Zum Vermächtnis von Susan Sontag (01/2005)

Mittwoch, 7. Dezember 2005

Siegfried Bernfeld 1892 - 1953

Siegfried Bernfeld war ein von der Jugendbewegung beeinflusster Reformpädagoge und Psychoanalytiker.

Leben
Bernfeld wuchs als Sohn des jüdischen Tuchgroßhändlers Isidor Bernfeld und seiner Frau Hermine geb. Schwarzwald in Wien auf, wo er 1911 das Gymnasium beendete und anschließend an der Universität bis 1915 Biologie, Zoologie, Geologie, Pädagogik, Psychologie, Philosophie und Soziologie studierte. Er war sowohl in der jüdisch-liberal-bürgerlichen Wiener Jugendbewegung aktiv als auch sozialistisch beeinflusst. Er war mit den reformpädagogischen Ideen Gustav Wynekens vertraut. Sein Studium beendet er mit seiner Promotion Über den Begriff der Jugend. 1914 hatte Bernfeld für ein Semester an der Universität Freiburg im Breisgau bei Walter Benjamin studiert.

1917-1921 war er leitend im Zionistischen Zentralrat für West-Österreich tätig: 1919 leitete er ein Projekt als praktisches pädagogisches Experiment, er arbeitete mit durch den ersten Weltkrieg entwurzelten jüdischen Straßenjugendlichen im Wiener Kinderheim Baumgarten. 1921 war Bernfeld in Heidelberg für einige Monate Mitarbeiter Martin Bubers Zeitschrift Der Jude. Nach seiner Rückkehr nach Wien konzentrierte er sich auf die Psychoanalyse. Ab 1922 entwickelte er für das Lehrinstitut der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung Kurse, in denen Erziehungsfragen psychoanalytisch bentwortet wurden.

1925–1932 arbeitete er in der Psychoanalytischen Vereinigung in Berlin mit Kurt Lewin zusammen. Außerdem lehrte an der Deutschen Hochschule für Politik über Jugendfürsorge und engagierte sich im Bund Entschiedener Schulreformer. Mit Wilhelm Reich stritt er sich über Psychoanalyse und Marxismus.

1934 floh Bernfeld mit seiner Familie vor dem Nationalsozialismus von Wien über Frankreich in die USA, wo er sich in San Francisco in Kalifornien niederließ. Dort war er am Aufbau der Psychoanalytischen Vereinigung beteiligt und arbeitete gemeinsam mit seiner Frau Suzanne Cassirer an Studien über Freuds Biographie und Theorie.
In San Francisco starb er am 2. April 1953.
Verheiratet war Bernfeld dreimal: Bis 1926 mit der Marxistin Anne Salomon, anschließend mit der Schauspielerin Elisabeth Neumann und bis zu seinem Tode mit der Psychoanalytikerin Suzanne Cassirer.

Werk und Wirken
Bernfeld gehörte zur ersten Generation der Psychoanalytiker. Er ist ein Mitbegründer der modernen Jugendforschung und der Psychoanalytischen Pädagogik. Grundlage seiner theoretischen und praktischen Arbeit ist der Zusammenhang zwischen Psychoanalyse und Sozialismus in kollektiver Selbstregulierung. Dabei stellt er Überlegungen über die Zuwendung des Pädagogen und die Grenzen der Pädagogik an.

Bernfelds Sisyphos von 1925 gilt in der Erziehungwissenschaft seit seinem Erscheinen bis heute als tiefer Einschnitt in deren Theoriegeschichte. Bernfeld kritisiert darin die bis in die 1960er Jahre hinein dominante Geisteswissenschaftliche Pädagogik, namentlich als führender Vertreter derselben Eduard Spranger. Bernfeld formulierte die schon lange allgemein anerkannte Einsicht, dass der Erfolg von Bildung und Erziehung eben nicht allein durch die Erziehbarkeit der Kinder abhängt, sondern ganz maßgeblich von den materiellen Voraussetzungen sowie von der historischen Verfasstheit des Bildungswesens. Mit anderen Worten könnte man diese Position als antikapitalistische Kritik an der Reformpädagogik bezeichnen.

Während die Streitschrift in etlichen Zeitschriften rezensiert wurde, so wurde sie beispielsweise in der führenden Zeitschrift der Kritisierten Die Erziehung einfach ignoriert. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Werk in der Bundesrepublik Deutschland in einigen wichtigen Werken nie explizit erwähnt. Vom Außenseiter zum Klassiker schaffte es Bernfeld durch kritische Erziehungswissenschaftler und die Antiautoritäre Erziehung nach 1968. Wichtig dafür waren nicht zuletzt die Zeitschrift Das Argument sowie Bücher von Klaus Mollenhauer und Hans-Jochen Gamm. (siehe dazu Lohmann)

Bernfeld wurde auch für die Kibbuzerziehung bedeutsam.

Bernfeld baut auf die Psychoanalyse von Freud und den Marxismus auf. Seine Theorie beruht auf den Einstellungen der beiden.

Literatur
Ingrid Lohmann: Siegfried Bernfeld: Sisysphos oder die Grenzen der Erziehung. Der geheime Zeifel der Pädagogik. In: Klaus-Peter Horn, Christian Ritzi (Hrsg.): Klassiker und Außenseiter. Pädagogische Veröffentlichungen des 20. Jahrhunderts. Hohengehren: Schneider Verlag 2001, S. 51-63. Online-Version

Homer Lane 1875-1925

Homer Lane war ein Pädagoge und Sozialreformer.
Bekannt wurde er für die Begründung des „Little Commonwealth“, einer zwischen 1913 und 1918 bestehenden Besserungsanstalt für jugendliche Straftäter im englischen Dorset.

Leben und Werk
Lane kam ursprünglich aus den Vereinigten Staaten, wo er sich durch die Leitung verschiedener Erziehungseinrichtungen (unter anderem Mitarbeit in der George Junior Republic) einen Namen gemacht hatte. Anfangs hatte er als Handwerkslehrer schwedischen "Slöjd"-Unterricht erteilt. Slöjd bedeutet sinngemäß "Handfertigkeit" und bezieht sich auf die Arbeit mit natürlichen Werkstoffen wie Holz und Textilien. Auf diese Weise sollten die Kinder durch den Umgang mit dem Material Respekt vor handwerklichen Arbeitsweisen entwickeln. Die amerikanische "Sloyd"-Bewegung, der Lane entstammte, hatte sich zum Ziel gesetzt, die manuelle Arbeit im Gegensatz zum Schreibtischlernen zur Grundlage der Elementarerziehung zu machen. Im Little Commonwealth wurde Lane von einer Gruppe interessierter Strafvollzugsreformer unter der Leitung des Earl of Sandwich die Möglichkeit gegeben, seine Experimente in eigener Regie durchzuführen. Die neu gegründete Erziehungseinrichtung befand sich auf einer Farm mit unterschiedlichen Gebäuden, die nach und nach von Kinder- und Jugendlichengruppen besiedelt wurden. Weitere Gebäude wurden von den Bürgern dieser "Republik" selbst gebaut. Die Kinder und Jugendlichen waren entweder Waisen oder wurden von ihren Eltern, die nicht mit ihnen zurecht kamen, geschickt. Viele von ihnen hatten Bewährungsstrafen abzuleisten und galten als „Delinquents“. Die älteren Kinder bestimmten das Geschick der Gemeinschaft in wöchentlichen Zusammenkünften. Lane nannte diese Form der Selbstverwaltung "self-government" – Alexander Neill übernahm den Begriff von ihm. In diesen Versammlungen machten die Kinder und Jugendlichen ihre eigenen Gesetze und wählten Funktionäre wie Richter und Schatzmeister. Lanes therapeutische Maßnahmen hielten sich im Hintergrund dieses Grundmusters, griff er jedoch ein, geschah dies oft in Form psychoanalytisch motivierter "paradoxer Sanktionen". So "bestrafte" das self-government beispielsweise Gesetzesbrecher mit Urlaub, für dessen Kosten die Gemeinschaft aufkam, oder Lane forderte einen Jungen, der das ganze Geschirr zertrümmert hatte, auf, nun auch noch Lanes Uhr zu zerschlagen.

Das Little Commonwealth bestand von 1913 bis 1918, als ein Skandal zu seiner Schließung führte: „The Little Commonwealth was closed because an adolescent girl ran away after stealing. When cought by the police she made the excuse that Lane had assaulted her sexually. The Home Office sent down a learned K.C. to investigate; he found no evidence against Lane, but apparrently didn't like the free system, for the Home Office decided that they would withdraw its licence if the committee did not appoint another superintendent in Lane's stead. The committee, knowing that Lane would never assault any girl, chose rather to close down the Commonwealth” [NEILL 1949, S.131], schrieb Neill später über die Vorgänge, deren tatsächlicher Ablauf nie ans Tageslicht gelangte. Der Bericht der Untersuchungskommission wurde trotz mehrfacher Aufforderung durch David Wills, den Biographen Homer Lanes, nie veröffentlicht und ist - wie die Aufsichtsbehörde 1975 mitteilte - später vernichtet worden. Lane starb 1925 in Paris.

Werke (Auswahl):
Talks to Parents and Teachers (1928)

Darstellungen
E. T. Bazeley: Homer Lane and the Little Commonwealth, Allen & Unwin Ltd., London 1928
David W. Wills: Homer Lane. A Biography, London 1964
Leslie R. Perry (Hrsg.): Bertrand Russell, A. S. Neill, Homer Lane, W. H. Kilpatrick. Four progressive educators, London 1967

Aichhorn, August 1878 - 1949

August Aichhorn war ein österreichischer Pädagoge und Psychoanalytiker.

August Aichhorn war zunächst Volksschullehrer in Wien. Nach dem ersten Weltkrieg erprobte er moderne Pädagogik in den Anstalten Ober-Hollabrunn und St. Andrä (1918-1922). Er stellte dort unter Beweis, dass Zwangserziehung in "Besserungsanstalten" keine positiven Erfolge brachte. Aichhorn wurde amtlicher Leiter der Wiener städtischen Fürsorgeanstalten, später Leiter der Wiener Psychoanalytischen Erziehungsberatung, in der Kriegszeit Lehranalytiker für Arzte und Psychologen, dann Professor in Wien und Vorstand der Wiener Psychoanalytischen Institute. Er teilte Anna Freuds Ansicht, dass Familienerziehung der institutionalisierten Heimerziehung überlegen ist.

Er gilt als Gründer der psychoanalytischen Pädagogik und auf ihn berufen sich zahlreiche international nahmhafte Pädagogen (Homer Lane, Alexander Neill).

Literatur
Verwahrloste Jugend (zusammen mit Sigmund Freud)
Erziehungsberatung und Erziehungshilfe
Psychoanalyse und Erziehungsberatung

Neill, Alexander Sutherland 1883-1973

Alexander Sutherland Neill wird als bedeutender Reformpädagoge eingestuft, weil seine Schulgründung in die Zeit der europäischen Reformpädagogik fällt. Er kann aber ebensogut als psychoanalytischer Pädagoge im Sinne von August Aichhorn oder Siegfried Bernfeld bezeichnet werden, da er seine pädagogische Idee stets mit der Psychoanalyse in Verbindung gebracht hat und lange Zeit psychoanalytische Experimente betrieb. Von den Begriffen antiautoritäre Erziehung bzw. der Antipädagogik hat er sich selbst distanziert, während er unter diesen Schlagworten im deutschsprachigen Raum in der Studentenbewegung der späten sechziger und frühen siebziger Jahren berühmt wurde. Es gab in der Bundesrepublik zahlreiche Versuche, sein Konzept der Kindererziehung in die Praxis umzusetzen. Neills Schule trägt den Namen Summerhill. Bei vielen pädagogisch vorgebildeten Zeitgenossen löst inzwischen erst dieses Wort eine vage Erinnerung an den Gründer dieser Schule aus.

Leben
Mit viereinhalb Jahren wurde Neill eingeschult. Zu dieser Zeit war es (nicht nur) in Schottland üblich, Kinder mit Schlägen und harten Strafen zu disziplinieren. Da Neill von seinem Vater unterrichtet wurde und nicht als bevorzugt gelten sollte, wurde er sehr streng behandelt. Neills Mutter, bis zu ihrer Heirat ebenfalls als Lehrerin tätig (verheiratete Frauen durften damals in Schottland nicht als Lehrerinnen arbeiten), legte großen Wert auf das Ansehen der Familie in der durch den schottischen Calvinismus geprägten Gesellschaft.

Im Alter von 14 Jahren begann Neill nacheinander eine Ausbildung als Buchhalter und Einzelhändler. Er scheiterte in diesen Berufen und wurde 1899 "Pupil Teacher" an der Schule seines Vaters. Nach 4-jähriger Lehrzeit bekam er ein Lehrerdiplom und war nun Hilfslehrer. Diese Aufgabe befriedigte ihn nicht sonderlich, da er die gängigen pädagogischen Vorgehensweisen ablehnte. Von 1903 bis 1908 arbeitete Neill an unterschiedlichen schottischen Dorfschulen. Er entwickelte eine tiefe Abneigung gegen die brutalen Erziehungsmethoden an diesen Schulen, nahm selbst Privatunterricht und entschied sich, ein Studium aufzunehmen.

Von 1908 bis 1912 studierte Neill in Edinburgh. Sein Studium schloss er mit dem M. A. (Master of Arts) ab. Anschließend arbeitete er ein Jahr als Redakteur an einer Enzyklopädie mit und ging nach London, wo er als künstlerischer Assistent des "Piccadilly Magazines" arbeitete.

1914, nach Ausbruch des 1. Weltkrieges - er wurde als untauglich für den Kriegsdienst eingestuft -, wurde er Leiter der Gretna Public School. Seine Erfahrungen an dieser Schule führten ihn zum intellektuellen Wendepunkt. Anfangs noch ein angepasster Lehrer, machte er sich nunmehr weiterführende Gedanken zu Erziehungsfragen.

Er lehnte den Lernzwang und das strafende System ab und legte mehr Wert auf Spiel und Freude. Seine Schüler konnten zum Beispiel den Unterricht verlassen, wenn sie es wollten. Seine Zeit als Schulleiter in Gretna Green beschreibt er in seinem ersten Buch "A Dominie's Log". Die Veröffentlichung 1915 stellte den Beginn seiner Karriere sowohl als Schriftsteller als auch als Reformpädagoge dar. Das Buch wurde ein Bestseller und Neill verfasste anschließend vier weitere "Dominie"-Bücher.

In diese Zeit fallen seine ersten Kontakte zu Homer Lane. Neill wurde Lanes Schüler, Freund und Patient und übernahm viele seiner Grundsätze. Lane glaubte an das angeborene Gute in jedem Kind. Er hatte beachtliche Erfolge im "Little Commonwealth", einem Heim für schwer erziehbare Kinder. Hier wandte Lane seine revolutionären therapeutischen Maßnahmen, wie z. B. psychoanalytisch motivierte "paradoxe Sanktionen" an, die auch Neill später verwendete, wenn er zum Beispiel Schüler zum Einschlagen von Fensterscheiben ermutigte, oder Diebe belohnte.

Als Neill nach dem Militärdienst, zu dem er 1916 noch einberufen worden war, bei Lane mitarbeiten wollte, musste er erfahren, das dessen Experiment mit der Schließung des "Little Commonwealth" beendet worden war.

So bewarb er sich an der "King Alfred School" von John Russell. Diese koedukative Reformschule in London hatte Noten und Prügelstrafe abgeschafft. Nach Homer Lanes Beispiel führte er dort das "Self-government" ein. Als es zu Protesten innerhalb des Lehrerkollegiums hinsichtlich der Selbstverwaltungssitzungen kam, legte ihm Russell nahe, die Arbeit an dieser Schule zu beenden.

Ab Frühjahr 1920 gab er gemeinsam mit Beatrice Ensor die Zeitschrift "Education of the New Era" heraus. Nun konnte er sich mit einer breiten Themenwahl beschäftigen und unterschiedlichste Schulversuche in Großbritannien und auf dem Kontinent kennenlernen. Er übte in seinen "Editorials" heftig Kritik am bestehendem Schulsystem. Während dieser Zeit lernte er die immer bekannter werdende Montessori-Pädagogik kennen. Diesen Ansatz lehnte er als zu wissenschaftlich, zu ordentlich, zu didaktisch ab.

Neills radikale Haltung, die er auf Vortragsreisen und durch Veröffentlichungen bekannt machte, entfachte viele Diskussionen und Streitereien mit anderen Reformpädagogen.

1921 war Neill im Auftrag der "New Era" in Europa unterwegs. In Deutschland besuchte er in Dresden-Hellerau Lilian Neustätter, eine Bekannte aus der Zeit an der King Alfred School, die er später heiratete. In Hellerau gab es die "Jaques-Dalcroze-Schule", deren Betrieb Neill für die "New Era" beschrieb. Neill blieb in Deutschland und gründete 1921 mit Christine Bear, einer Schülerin des Reformpädagogen Emile Jaques-Dalcroze, und Lilian Neustätter die "Internationale Schule" in Hellerau. Hier ergab sich für Neill die Chance, eine Schule nach seinen Vorstellungen zu führen. Schon bald beendete er seine Tätigkeit bei der "New Era", um seine eigene Schulidee in die Realität umzusetzen.

So nahm er beispielsweise die Form des "Self-government" wieder auf, stellte die Teilnahme am Unterricht jedem Schüler frei, hob das Klassensystem auf, wendete "paradoxe Sanktionen" an und führte sogenannten "Private lessons" ein. 1923 stellte die Schule ihre Arbeit ein. Die Gründe hierfür waren Abmeldungen von vornehmlich ausländischen Schülern, infolge von Unruhen, die in Sachsen ausbrachen. Damit brach die wirtschaftliche Basis für Neills Schulexperiment weg.

Einen neuen Standort für die Schule fand Neill auf dem Sonntagberg in einem ehemaligen Klostergebäude in Österreich. Regulärer Unterricht fand an dieser Schule nicht statt - wenn die insgesamt nur 9 Schüler Fragen hatten, wurde eine Gruppe gebildet, die sich mit bestimmten Sachverhalten auseinandersetzte. Neill brachte einen neurotischen Schüler zu einer Analyse bei Wilhelm Stekel in Wien und unterzog sich selbst im Anschluß einer solchen Behandlung bei diesem Schüler Sigmund Freuds. Die Schule auf dem Sonntagberg traf auf heftigen Widerstand der Bevölkerung und seitens der Schulbehörde. So entschied man sich nach weniger als einem Jahr, den Schulsitz nach England zu verlegen. Der Hauptgrund hierfür war, daß Neill keinen Religionsunterricht erteilte (und keinen erteilen wollte). Die Schulbehörde verweigerte die bis dahin fehlende Genehmigung für die Schule.

Ende 1924 wurde ein Haus in Lyme Regis in der Grafschaft Dorset gemietet, das auf dem "Summerhill" lag. Hier bekam die Schule schließlich den Namen mit dem sie einmal weltberühmt werden sollte. Die Schule spezialisierte sich auf Problemkinder, die an anderen Schulen beschwerlich, faul, träge und (oder) antisozial erschienen. 1926 erhöhte sich die Popularität von Neills Schule schlagartig, infolge des Erscheinens seines mittlerweile achtes Buch "The Problem Child".

Das Gebäude in Lyme Regis sollte einer anderen Nutzung zugeführt werden und Neill machte sich auf die Suche nach einem neuen Schulgebäude. In Leiston an der englischen Ostküste fand er ein ehemaliges Mädchenpensionat mit geeigneten Gebäuden und Grünflächen. Er nahm einen Kredit auf und kaufte das Anwesen.

In den 30er Jahren begann Neill auch im Ausland Vorträge zu halten und dachte nach einer Vortragsreise 1936 sogar darüber nach, eine Zweigstelle Summerhills in Südafrika zu gründen. Diese Idee wurde aufgrund der dort herrschenden religiösen Umstände jedoch nicht realisiert. Er reiste durch Skandinavien, hielt Vorträge in Stockholm und Oslo und lernte dort Wilhelm Reich kennen, bei dem er eine Psychoanalyse machte. Die beiden begründeten dabei eine enge Freundschaft, die bis an Reichs Lebensende dauern sollte.

1940 mußte Leiston vorübergehend verlassen werden, da das Militär aufgrund des Krieges das Gebäude beschlagnahmte. Eine zeitweilige Ersatzunterkunft wurde in Ffestiniog in Nord-Wales gefunden. Neill war mit der dort herrschenden Situation nicht glücklich. Schwierigkeiten mit dem Personal, das ihm seine Führungsposition streitig machte, der Kalvinismus der Umgebung und das schlechte Wetter beeinträchtigten ihn und sein Interesse an der Schule sehr. Trotz des Krieges existierte eine Warteliste für Summerhill, vermutlich wegen der sicheren ländlichen Lage. 1944 starb seine Frau Lilian in Ffestiniog.

1945 heiratete Neill im Alter von 62 Jahren die wesentlich jüngere Ena Wood, die zuvor seine erste Frau gepflegt hatte. Dieses Mal handelte es sich nicht vorwiegend um eine Vernunftehe. Die Beziehung hatte stark leidenschaftliche Elemente und Neills Freund, Wilhem Reich, hatte ihm von der Heirat stark abgeraten.

Kurze Zeit darauf konnte die Schule zurück nach Leiston in das durch die Militärnutzung sehr heruntergekommene Schulgebäude zurückkehren.

Am 2. November 1946 wurde Neills erstes und einziges Kind Zoë geboren. Neill unternahm mit Ena und dem Baby eine erste Vortragsreise durch die USA und besuchte seinen Freund Wilhelm Reich, der sich in Maine niedergelassen hatte.

Im Juni 1949 fand die erste Schulinspektion statt. Entgegen Neills Erwartung schnitt die Schule erstaunlich positiv ab. 1959 fand eine weitere Schulinspektion statt, deren Ergebnis "fair, aber desillusionierend" war und die Schülerzahlen sanken.

Dieses änderte sich schlagartig, als Ende 1960 das Buch "Summerhill: A Radical Approach to Child Rearing" in den USA erschien. Das Buch ist eine Zusammenstellung von Texten aus fünf früheren Büchern Neills. Die Zusammenstellung wurde von Neills amerikanischen Herausgeber Harold Hart vorgenommen und ist mangels Quellenangaben nicht nachvollziehbar. Neill war wenig zufrieden mit dem willkürlich zusammengestellten Gesamttext und bedauerte die Streichung vieler Texte, die sich mit der Psychoanalyse und ihrem Einfluss auf Neills Pädagogik befassten, aber der mit dem Buch verbundene wirtschaftliche Erfolg und die neue Popularität versöhnten ihn mit diesen Mängeln.

1966 wurde Neill als erster von insgesamt drei Ehrendoktortiteln der der Universität Newcastle verliehen.

1968 erschien Emmanuel Bernsteins Studie über ehemalige Summerhill-Schüler, die sich im großen und ganzen positiv für Summerhill auswirkte. Die Studie beruht auf keiner sehr breiten Grundlage: Bernstein war auf einem alten Motorroller durch England gereist und hatte ehemalige Schülerinnen und Schüler interviewt. Seine Datengrundlage und die Aufbereitung dieser Daten waren höchst fragwürdig, aber die Studie wurden von Neill gerne herangezogen, um seiner Schulidee eine empirische Rechtfertigung hinzuzufügen.

1971 feierte Summerhill sein 50-jähriges Bestehen.

1972 erschien Neills Autobiographie "Neill! Neill! Orange Peel" in den USA und ein Jahr später in England. Zu dieser Zeit ging es Neill gesundheitlich immer schlechter. Er starb am 23. September im Krankenhaus des Nachbarortes Aldeburgh.

Summerhill wird fortwährend von Neills Tochter Zoë betrieben und hat in den letzten Jahren besonders viele japanische Schülerinnen und Schüler. In Japan war Neills Schulidee seit den 50er Jahren sehr populär und wurde als Alternative zum rigiden japanischen Schulsystem angesehen.

In den letzten Jahren wurde Summerhill mehrfach inspiziert und sollte auf Betreiben der Behörden geschlossen werden. Die Schule ging bis vor das oberste Berufungsgericht und konnte erreichen, dass an internationale Privatschulen andere Maßstäbe angelegt werden als an sonstige öffentliche Schulen. Gleichzeitig - und das war Zoë Readhead wichtig - konnte durchgesetzt werden, dass die Freiheit des Unterrichtsbesuchs als wesentliches Element der Neillschen Pädagogik beibehalten wurde. Offenbar infolge der Prozesse und der damit verbundenen Publicity zieht die Schule neuerdings wieder besonders viele Schülerinnen und Schüler an. Die Anzahl der Summerhill-Kinder entspricht fast der aus den Kriegsjahren, als besorgte Eltern ihre Kinder ins ländliche Ffestinog schickten.

Werke
Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung. Das Beispiel Summerhill, Reinbek bei Hamburg 1969
Die grüne Wolke, Rowohlt, 1995, ISBN 349920794X
Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung, Rowohlt, 1998, ISBN 3499602091
Das Prinzip Summerhill, Fragen und Antworten, Rowohlt, 1998, ISBN 3499166909

Literatur
Axel D. Kühn, Alexander S. Neill; Rowohlt 1995 (ISBN 3499505495)
ders., A.S. Neill und Summerhill. Eine Rezeptions- und Wirkungsanalyse Die Dissertation steht hier als PDF zum Download zur Verfügung.
ders., Diese Dissertation als Volltext in HTML und weitere Examensarbeiten
div. Autoren: zur Biographie und kompletten Bibliographie bis 2000 : Biographien/Bibliographie
Paetz, Andreas; Pilarczyk Ulrike (Hg.): Schulen, die anders waren. Zwanzig reformpädagogische Modelle im Überblick, Berlin 1990

Montag, 28. November 2005

Marx, Karl 1818 - 1883

1818 geboren in Trier.
- ursprünglich waren sowohl Vater als auch Mutter Juden
Vater war Jurist, konnte jedoch wegen seines jüdischen Glaubens die Praxis nicht weiterführen und konvertierte so 1817 zum evangelischen Glauben.
Vater untertänig, vermögend, französisch-aufgeklärt, liest den Kindern Voltaire, Racine und Rousseau vor
Mutter: verschwiegen, ängstlich-ungeistig Religionswechsel wegen Beruf

1824 Marx wurde zusammen mit den anderen Kindern konvertiert
1825 Seine Mutter wurde schließlich konvertiert. Dieses Erlebnis (Religionswechsel wegen Beruf) wurde prägend für Marx' Verhältnis zur Religion
1830-35 Marx besuchte ein Gymnasium; er war überdurchschnittlich begabt; war aggressiv, ein Fremder unter Fremden Entfremdung

1835 beginnt ein Jurastudium in Bonn
1836-41 Studium in Berlin (hauptsächlich Philosophie)
1841 Doktor der Philosophie: nur Dissertation, keine Prüfung
sein linkes Denken war Hindernis für eine akademische Laufbahn
1841/42 Redakteur der Rheinischen Zeitung; erster Kontakt zur Sozialen Frage
Probleme mit der Zensur Konflikt mit der Obrigkeit

1843 mußte er die Tätigkeit aufgeben, die Zeitung wurde verboten
März 1843 Heirat mit Jugendfreundin Jenny von Westphalen; lebte eine Weile von der Mitgift; wurde Ehefrau und Sekretärin. Sie identifizierte sich vollständig mit Marx' Ideen
1843-45 Marx ging in das liberale Frankreich, wo er an der Herausgabe der deutsch-französischen Jahrbücher teilnahm. Er schrieb Artikel für die sozialistische Zeitung Vorwärts; lernte Heinrich Heine kennen
1845 Ausweisung aus Frankreich auf Druck der preußischen Regierung. Marx siedelt nach Brüssel über, wo er Friedrich Engels kennenlernt. Marx besucht kommunistische Kongresse in London Kontakt mit FriedrichEngels

1848 Revolution von 1848
Zweiter Kommunistischer Kongreß: zusammen mit Engels veröffentlicht er das Kommunistische Manifest
Marx nimmt an der Neuen Rheinischen Zeitung teil Kommunistisches Manifest

1849 Ausweisung aus Preußen, geht nach Paris, wo er erneut ausgewiesen wird; Übersiedelung nach London
1859-67 ausgedehntes Studium der politischen Ökonomie, arbeitet für diverse Zeitungen
Zur Kritik der politischen Ökonomie, Band I: Kapital
stellte Thesen auf über die Bewegung der kapitalistischen Produktion
=> historischer Materialismus; Hintergründe waren die Erscheinungen in England
Armut, Krankheit Marx'; Engels, der Sohn eines Textilfabrikenbesitzers half oft aus historischer Materialismus
als Reaktion auf englische Verhältnisse

1860 Marx liest Darwins Evolutionstheorie und findet seine Ansicht darin wieder
1861 Die preußische Staatsbürgerschaft wird ihm erneut verweigert
1864 Gründung der Sozialistischen Internationale (Treffen der sozialistischen Bewegungen), hatte Probleme mit der Kleinstaaterei in Europa
1872 Verlegung der Sozialistischen Internationale in die USA
1876 Auflösung der Internationale
1881 Tod seiner Frau Jenny; Karl Marx zu krank, um an ihrem Begräbnis teilzunehmen
Januar 1883 Tod seiner Tochter Jenny
14.3.1883 Tod von Karl Marx

Marx und die Soziale Frage
Anliegen
Aufhebung des eklatanten Auseinanderklaffens (und -driftens) der Klassen, d.h. von Reich und Arm. Anlaß dafür war die Beobachtung der Mißstände im 19. Jahrhundert, die besonders stark in England ausgeprägt waren.

Thesen
Der Inhalt des gesellschaftlichen Bewußtseins wird durch die ökonomischen Verhältnisse bestimmt.
Aus der historischen Abfolge der Gesellschaftssysteme entwickelt Marx das Konzept einer Gesellschaftsform der Zukunft: den Kommunismus.
Der Klassengegensatz zwischen Proletariat (Arbeit) und Bourgeoisie (Kapital) entwickelt sich immer stärker. Anzeichen dafür ist die Konzentration des Kapitals in den Händen einiger weniger und die Verelendung des Proletariats.
Die bourgeoise Produktionsmethode ist die Ursache für das Elend. Hauptgrund dafür ist die Tatsache, daß der Arbeiter durch seine Form der Arbeit mehr Wert erzeugt als er in Form des Arbeitslohnes bezahlt bekommt. Dieser Mehrwert, den sich der Kapitalist sich aneignet, ist die eigentliche Quelle des kapitalistischen Reichtums.
Die Arbeit wird durch diese Produktionsmethode zu einer bloßen marktwirtschaftlichen Waren entfremdet. Traditionell Ordnungsstrukturen wie Alter und Geschlecht fallen einer Industrialisierung zum Opfer.
Das Endziel des Kommunismus ist die klassenlose Gesellschaft.
Maßnahmen
Aufhebung des Privateigentums (Zwangsenteignung) und Abschaffung des Erbrechts
starke Progressivsteuer
Zentralisierung von Kredit- und Transportwesen
staatliche Produktionsstätten
Arbeitszwang für alle
Vereinigung von Landwirtschaft und Industrie bzw. Land und Stadt
öffentliche und unentgeltliche Erziehung, Verbot der Kinderarbeit.
Bewertung
detaillierte Darstellung der herrschenden Zustände
Erkenntnis der wesentlichen Zusammenhänge (Monopolbildung und Rationalisierung)
erkannte die Industrialisierung als irreversible Veränderung der Gesellschaft an.
Fehler: zu idealistisches Menschenbild, verkannte den Egoismus
Leben und Werk
sein Werk ähnelt einer säkularisierten Version von jüdisch-christlichen Glaubensgrundsätzen (Eschatologieprinzip; lineare Geschichtsauffassung etc.)
Religionsfeindlichkeit ist mit auf kindheitliche Erfahrungen zurückzuführen (Religionswechsel wegen Berufswahl seines Vaters); unterschied nicht zwischen Kirche und Glauben an sich.
häufiger Konflikt mit der kleinstaatlichen Obrigkeit internationalisierte sein Denken
Symptome des englischen Wirtschaftsliberalismus brachten ihn gegen bürgerliche Ideale auf (Freiheit, Recht auf Eigentum).
Entfremdung als Grunderfahrung seiner Jugend
Karl Marx lernte als linker Philosoph schon bald die repressive Obrigkeit kennen. Zusammen mit seinen Erfahrungen mit den Auswirkungen der Industriellen Revolution formt sich in ihm eine Gedankengebäude, das nach radikalen Umwälzungen der Gesellschaftsstrukturen ruft. Er sieht in der "bourgeoisen Produktionsmethode", die auf der Ausbeutung des Proletariats gründet, die Ursache des sozialen Elends und erkennt an, daß die Industrialisierung irreversible Veränderungen an der Gesellschaft gebracht hat. Kirchen und landesfürstlicher Obrigkeit wirft er vor, daß sie das Kapital unterstützen.
Seine Alternative liegt in der Abschaffung jeglichen Privateigentums an Produktionsmitteln und der Aufhebung der menschlichen Selbstentfremdung. Das kapitalistische System geht an sich selbst zugrunde. Am Ende steht die klassenlose Gesellschaft, in der es weder Unterdrücker noch Unterdrückte gibt.

Sonntag, 13. November 2005

Aebli, Hans 1923-1990

Hans Aebli war ein schweizer Pädagoge.

zu seinem Lebenslauf (so gefunden...):
Ich bin am 6. August 1923 in Zürich geboren und habe die Primar- und Mittelschulen im Kanton Zürich besucht. Meine akademischen Studien habe ich in Genf und Minneapolis, Minn., USA, absolviert.

1950 erwarb ich den Titel eines Magisters Artium in Psychologie der Universität Minnesota und 1951 einen Dr. phil. von der Universität Genf. Mein Doktorvater war der Entwicklungspsychologe und Erkenntnistheoretiker Jean Piaget. Meine Dissertation "Didactique psychologique. Application à la didactique de la psychologie de Jean Piaget" wurde in sieben Sprachen übersetzt.

Von 1950 bis 1955 und von 1957 bis 1962 habe ich am Oberseminar des Kantons Zürich Psychologie, Didaktik und Pädagogik gelehrt. Von 1955 bis 1957 war ich Lehrstuhlvertreter und Direktor des Psychologischen Instituts der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Im Jahre 1961 habe ich mich an der Universität Zürich mit der Arbeit "Über die geistige Entwicklung des Kindes" habilitiert.

1962 nahm ich den Ruf auf einen psychologischen Lehrstuhl an der Freien Universität Berlin an, wo ich in der Folge ordentlicher Professor und Direktor des Psychologischen Instituts wurde. 1966 bin ich an die Universität Konstanz gegangen, deren Gründungsmitglied ich war. Ich habe dort den Fachbereich Psychologie aufgebaut und eine Forschungsgruppe des Sonderforschungsbereichs Bildungsforschung der Deutschen Forschungsgemeinschaft geleitet. 1967/68 war ich Dekan der Sozialwissenschaftlichen Fakultät.

1970 habe ich den Ruf auf den neugeschaffenen Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie an der Universität Bern angenommen, wo ich eine neue, selbständige Abteilung Pädagogische Psychologie aufgebaut habe. 1976/77 war ich Dekan der Phil.-hist. Fakultät. 1971 bis 1976 war ich Mitglied der nationalen Kommission "Lehrerbildung von morgen" und Mitverfasser ihres Planungsberichts.

1986 hat mich die Universität Turku und 1987 die Pädagogische Universität Kiel zum Ehrendoktor ernannt.

Schriften
Didactique psychologique. Application à la didactique de la psychologie de Jean Piaget. Neuchâtel: Delachaux & Niestlé (1951). Dissertation, betreut von Jean Piaget.
Über die geistige Entwicklung des Kindes. Habilitation (Zürich 1960), als Buch 1963.
Denken: das Ordnen des Tuns. Bd. 1: Kognitive Aspekte der Handlungstheorie. Stuttgart: Klett-Cotta (1980).
Denken: das Ordnen des Tuns. Bd. 2: Denkprozesse. Stuttgart: Klett-Cotta (1981).
Santiago, Santiago... Auf dem Jakobsweg zu Fuss durch Frankreich und Spanien. Stuttgart Klett-Cotta (1990).
An seinem Hauptwerk, Grundformen des Lehrens, hat Aebli jahrzehntelang gearbeitet; es ist in sehr verschiedenen Fassungen erschienen:

Grundformen des Lehrens. Ein Beitrag zur psychologischen Grundlegung der Unterrichtsmethode. Stuttgart: Klett (1961).
Grundformen des Lehrens. Eine Allgemeine Didaktik auf kognitionspsychologischer Grundlage. Stuttgart: Klett (vollständig überarbeitete, stark erweiterte Neuauflage: 1976).
Zuletzt hat Aebli das Material auf zwei Bände aufgeteilt:

Zwölf Grundformen des Lehrens. Eine Allgemeine Didaktik auf psychologischer Grundlage. Stuttgart: Klett-Cotta (1983).
Grundlagen des Lehrens (Bd. 2 der "Zwölf Grundformen des Lehrens"). Stuttgart: Klett-Cotta (1987).


Weblinks
Literatur von und über Hans Aebli im Katalog der DDB
http://www.ans.ch/aebli/bibliografie.htm.

Mittwoch, 2. November 2005

Heydorn, Heinz-Joachim 1916-1974

Heinz-Joachim Heydorn
* 14. Juni 1916 in Altona/Elbe
† 15. Dezember 1974
war ein deutscher (Erwachsenen-)Pädagoge.

Heydorn vertrat eine eigenständige kritische Bildungstheorie: Bildung war für ihn der Prozess, in welchem der Mensch als Subjekt in seine eigene Geschichte eintritt. Bildung ist die Befähigung des Menschen zur gesellschaftlichen Arbeit und zum politischen Handeln, aber auch zur ästhetischen (Im traditionell-klassischen Kunstbegriff bis zum 19. Jahrhundert wird Ästhetik (gr. aísthesis : Wahrnehmung) häufig mit der Lehre von der Schönheit (K... ) Erfahrung, in welcher der Mensch sich selbst vergegenwärtigt. Bildung ist somit Allgemeingut der in der Geschichte zu sich selbst kommenden Menschheit, sie verwirklicht sich über eine integrative Gemeinschaftsschule für alle Kinder.

Heydorn kämpfte aus diesem Grunde von Anfang an entschieden gegen das dreigliedrige, die Klassenstruktur der Gesellschaft reproduzierende Schulwesen (Mit Schulwesen wird die Gesamtheit aller schulischen Einrichtungen ( öffentliche und private Schulen , Fachhochschulen , Universitäten ) eines Staates... ) in der Bundesrepublik Deutschland.

Lebensstationen:
1933 Mitglied der Bekennenden Kirche
1934 – 1939 illegale politische Arbeit
1938/39 Deutschlehrer in Wales
1939 Einziehung zum Militärdienst
1944 Desertion und englische Kriegsgefangenschaft, Todesurteil durch ein deutsches Kriegsgericht
1945 Rückkehr nach Hamburg, Mitglied der SPD
1950 Promotion in Hamburg, Dozent an der Pädagogischen Hochschule Kiel
1959 a.o. Professur am Pädagogischen Institut in Jugenheim
1961 o. Professur für Erziehungs- und Bildungswesen in Frankfurt/M.

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